Vergangenes Jahr ist die Stickoxid-Belastung im Gegensatz zu dem Vorjahr wieder gestiegen. Trotz zahlreicher Maßnahmen wie der Bereitstellung eines Carsharing-Konzepts mit E-Autos, dem Ausbau von Radwegen in der Innenstadt oder auch die Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs, haben sich die Messwerte laut Umweltbundesamt erhöht.

„Das ist eine schlechte Nachricht, die ich mir auch nicht erklären kann“, verdeutlicht Dr. Marius Hahn (SPD), Limburgs Bürgermeister, ratlos. Gemäß den veröffentlichten Daten des Umweltbundesamts zur Belastung der Städte und Gemeinden mit Abgasen lag der Jahresmittelwert der Stickstoffdioxidbelastung vergangenes Jahr bei 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert liegt bei 40! 2017 erreichte der Jahresmittelwert 43,2 Mikrogramm.

Stickoxid-Belastung bundesweit gesunken

Um die Belastung, die vor allem durch Dieselfahrzeuge verursacht wird, zu senken, habe die Stadt erhebliche Anstrengungen unternommen (mehr E-Mobilität, mehr Radverkehr, Ausbau des ÖPNV-Angebots, Jobticket-Angebote, Beschleunigung des Verkehrs in der Stadt). Zwar ist die Stickoxid-Belastung bundesweit um zwei Mikrogramm gesunken, an 13 Messstellen gibt es allerdings gestiegene Werte. So unter anderem in Limburg. Zur Bestimmung des Hintergrunds dient die Messstation in der Eisenbahnstraße. Auch dort ist der Wert von 22 Mikrogramm auf 24 leicht gestiegen.

Lesen Sie auch:

Drei von vier weiteren Passivsammlern in der Stadt weisen gegenüber 2017 gesunkene Messwerte auf. Der eine hat lediglich eine Steigerung von einem Mikrogramm erfasst. Die Passivsammler an Schiede und Frankfurter Straße bleiben allerdings mit Werten von 54 (Vorjahr 58), 47 (Vorjahr 50) und 42 (Vorjahr 43) jedoch über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nur der Passivsammler an der Diezer Straße bewegt sich mit der Erfassung von 36 Mikrogramm (Vorjahr 35) unter dem Grenzwert.

Messwerte von HLNUG von Umweltbundesamt noch nicht berücksichtigt

Die gesammelten Werte der Messstandorte stammen vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und sind in der Statistik des Umweltbundesamts noch nicht berücksichtigt. Insgesamt also eine recht uneinheitliche Entwicklung in Limburg. „Das Land Hessen muss die Ergebnisse genau analysieren und wir haben zu schauen, ob das schlüssig ist“, fordert Marius Hahn. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) kündigte an, den Luftreinhalteplan für Limburg fortzuschreiben und noch gezielter auf wirksame Maßnahmen hinzuarbeiten.

Den von der Stadt eingeschlagenen Weg möchte sie weitergehen. Ziel ist nach wie vor die Verbesserung der Luftqualität. Der formulierte Masterplan-Mobilität steht vor seiner Umsetzung. Weitere Verbesserungen soll es auch durch den von der Bundesregierung geförderten Green-City-Plan geben.  

FDP-Fraktion möchte Diesel-Fahrverbot verhindern

Währenddessen versucht die FDP-Fraktion-Limburg mögliche Diesel-Fahrverbote in Limburg zu verhindern. Für die nächste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung habe die Fraktion einen Antrag gestellt, um neben der Abwendung eines Fahrverbots politische Entscheidungen auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, so FDP-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer. Die Stadtverordnetenversammlung solle die hessische Landesregierung auffordern, sich bei der Bundesregierung für die Durchsetzung eines Moratoriums für Stickoxid-Grenzwerte einzusetzen.

Aktuell würden die medizinischen Auswirkungen der Schadstoffbelastung in den Medien und in Fachkreisen intensiv diskutiert, ohne dass die Politik die kritischen Aussagen renommierter Fachmediziner zu den Grenzwerten wirklich beurteilen könnte. Eine wissenschaftliche Fundierung bei den Grenzwerten sei dringend geboten, denn es gehe um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und um die „kalte Enteignung“ von Millionen von Diesel-Fahrern,  so Schardt-Sauer weiter.

Ein verstärkter Einsatz alternativer Kraftstofftechnologien könnte ein Weg sein, die Stickoxid-Belastung schnell zu senken. Deswegen solle sich der Magistrat bei der hessischen Landesregierung als Pilotstadt für den Einsatz des Kraftstoffs GTL bewerben, schreibt die FDP-Fraktion auf ihrer Website. Bestimmte Fahrzeugflotten, wie etwa im ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) oder bei anderen schweren Fahrzeugen, könnten mit dem Treibstoff betankt werden. Um einen erheblichen Beitrag zur Schadstoffreduzierung beizutragen, sei der Kraftstoff geeignet, bestätigte das Umweltbundesamt.

Überprüfung der Luftmessstation und der Passivsammler

Des Weiteren fordert die Fraktion in Ihrem Antrag die Überprüfung der Messstelle an der Schiede sowie der Passivsammler durch den TÜV. „An dieser Stelle begrüßt die FDP-Fraktion ausdrücklich, dass Bürgermeister Dr. Marius Hahn das Bundesumweltministerium angeschrieben und eine Überprüfung der Luftmessstation und der Passivsammler beantragt hat“, erklärte Schardt-Sauer.

Vor dem Hintergrund der Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Hessen, die ein Diesel-Fahrverbot in Limburg gerichtlich durchsetzen möchte, dauere dies jedoch viel zu lange. „Limburg muss selbst handeln und eine zweite Messstelle installieren“, fordert Schardt-Sauer. Für die Wahl des neuen Standorts als auch bei der Anzahl der Messstationen müssten alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.  

(lm)

Werbung

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Geben Sie Ihren Kommentar ein.
Ihr Name